Simulation von Raum in flachen Medien
Bereits im 16. Jahrhundert wird mit stereoskopischen Darstellungsmethoden experimentiert. In den 1960er Jahren werden Farbfilterbrillen eingesetzt, um Objekte oder Elemente im zweidimensionalen Medium räumlich wirken zu lassen: Jedes Auge bekommt ein anderes Bild, das über Farbfilter zugeordnet wird. Bei der Anaglyphentechnik werden diese zwei Halbbilder mit horizontaler Verschiebung übereinandergedruckt.
Bei meinem Kalender 2011 habe ich um räumliche Tiefe zu simulieren mit perspektivischer Verzerrung gearbeitet und zusätzlich die Feiertage durch Größen- und Helligkeitskontraste auf einer im Vordergrund stehenden Ebene erscheinen lassen. Die beiden Druckfarben Rot und Cyan wurden in bestimmten Bereichen übereinander gedruckt um diese Wirkung zu ergänzen. So ist der Kalender kein klassisches Anaglyphenbild, vielmehr eine experimentelle typografische Anwendung von Perspektivtechik und Stereoskopie.
Bei Betrachtung durch eine Rot-Cyan-Brille werden die übereinandergedruckten Farben bzw. die unterschiedlichen Farbanteile als räumliche Struktur wahrgenommen: Die Feiertage scheinen weiter im Vordergrund zu liegen als beispielsweise das perspektivisch verzerrte Kalendarium.
Einfache stereoskopische Abbildung eines Apfels in schwarzweiss. Bei der Erstellung wurden die RGB-Farbkanäle genutzt, um die Halbbilder gegeneinander verschoben dem Augenpaar zuzuordnen.
Durch die Kombination von Überlagerungen, Licht- bzw. Schattenwirkung sowie anaglyphischen Effekten können räumlich wirkende Informationsstrukturen erzeugt werden: Objekt und Schrift im simulierten Raum.
Weitere Ausführungen zum Thema Räumlichkeit:
Dreidimensionalität
Räumliche Darstellung als Metapher für Visualisierungen
Raum










